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Starkregenereignisse: Wie können wir unsere Städte zukunftsfähig planen?

Zwischen 2002 und 2021 verursachten Starkregenereignisse in Deutschland Schäden in Höhe von . Allein im Jahr 2024 beliefen sich die versicherten Schäden durch Extremwetter – darunter Starkregen, Überschwemmungen, Sturm und Hagel – auf .

Grund für die hohen Schäden ist die Zunahme von extremen Wetterereignisse. Besonders Starkregenereignisse stellen Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Diese zeichnen sich durch eine sehr hohe Niederschlagsintensitäten aus. Sie treten oft räumlich begrenzt auf, können aber enorme Schäden verursachen.

Die Folgen: überlastete Kanalisationen, überflutete Straßen, beschädigte Infrastruktur sowie Gebäude und verschmutzte Gewässer. Klimaforscher:innen erwarten, dass solche Ereignisse künftig noch häufiger auftreten werden – Kommunen sind daher gefordert, ihre Infrastruktur an die neue Realität anzupassen.

Wo sind Städte besonders verwundbar?

Vor allem in dicht besiedelten Städten mit einem hohen Grad an versiegelten Flächen oder in Hanglagen drohen gefährliche Sturzfluten. In flacheren Stadtgebieten können plötzliche Wassermassen die Kanalisation und lokale Gewässer überlasten und weite Flächen überfluten. Starkregen trifft Städte hart, wenn die Infrastruktur nicht für solche Wassermengen ausgelegt ist. Besonders gefährdet sind: tief liegende Stadtteile und Unterführungen, die Wasser sammeln.

Besonders gefährdet sind:

  • Tiefliegende Stadtteile und Unterführungen, in denen sich Wasser sammelt
  • Versiegelte Flächen wie Parkpläzte, Zufahrten, Straßen und Innenhöfe, die kein Wasser aufnehmen können
  • Alte Kanalnetze, die für heutige Regenmengen nicht dimensioniert sind
  • Fehlende Retentionsflächen zur gedrosselten Ableitung des Niederschlags
  • Unzureichende Frühwarnsysteme, die eine rechtzeitige Reaktion verhindern
  • Fehlendes Problembewusstsein bei den verschiedenen Stakeholdern

Eine wichtige Informationsquelle für die Gefährdung im Gemeindegebiet sind Starkregengefahrenkarten, die die Überflutungshöhen bei unterschiedlichen Starkregenereignissen illustrieren. Sie liegen auch auf Grund von Förderungen mittlerweile in vielen Gemeinden vor und informieren sowohl die kommunale Verwaltung als auch die Bürger:innen. Ein gutes Beispiel für eine solche Karte ist das der Stadt Frankfurt am Main, das nicht nur die Überflutungstiefe, sondern auch die Fließgeschwindigkeit anzeigt.

Maßnahmen zur Starkregenresilienz

Das schätzt, dass das Risiko von Starkregen überall in Deutschland gleich hoch ist. Auch Regionen ohne bisherige Erfahrungen mit solchen Ereignissen sollten sich der Gefahren bewusst sein. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und überlastete Kanalnetze beweisen: Viele Städte sind auf die Wassermassen nicht eingestellt. Dabei existieren längst Maßnahmen, die nicht nur schützen, sondern auch die Lebensqualität verbessern.

Ein zielführende Starkregengefahrenvorsorge erfordert einen Mix aus planerisch-organisatorischen und baulichen Maßnahmen, die konzeptionell aufeinander abgestimmt, die verschiedenen Lücken schließen und die Gefahren mildern. Gerade bei der Umsetzung von dezentralen Maßnahmen sollten immer die Auswirkungen auf die Nachbarschaft mitgedacht werden, so dass Probleme nicht einfach verschoben werden.

Planerisch-organisatorische Maßnahmen

  • Starkregengefahrenkarten und Risikoanalysen erstellen, um Überschwemmungsgebiete und Abflusswege zu identifizieren.
  • Frühzeitige Berücksichtigung von Schwammstadtprinzipien in der Quartiersentwicklung
  • Regenwasserbewirtschaftung in Flächennutzungs- und Bebauungspläne integrieren.
  • Frühwarnsysteme und Informationsplattformen einrichten.
  • Stadtplanung, Freiraumplanung, Umweltämter und Wasserwirtschaft vernetzen.
  • Grundstückseigentümer:innen beraten und sensibilisieren.
  • Kommunale Förderprogramme aufsetzen, um die Bürger:innen bei der Umsetzung von dezentralen Vorsorgemaßnahmen zu unterstützen.

Bauliche Maßnahmen

  • Versiegelte Flächen, wie Parkplätze, Zufahrten, Innenhöfe, entsiegeln zur Nutzung für Regenwasserretention
  • Retentionsdächer berücksichtigen.
  • Multifunktionale Freiräume gemäß Schwammstadtprinzipien schaffen, die bei Starkregen Wasser aufnehmen, etwa Sportplätze oder Schulhöfe.
  • Regenwasser dezentral versickern und verdunsten lassen, z. B. über Mulden oder Rigolen.
  • Speicherung und Aufbereitung von Regenwasser für die Nutzung als Brauchwasser in Gebäuden oder zur Bewässerung.

Eine wesentliche Strategie zur Anpassung an Starkregen ist das Schwammstadt-Prinzip. Es beschreibt Städte, die wie ein Schwamm funktionieren: Regenwasser wird nicht sofort abgeleitet, sondern lokal aufgenommen, gespeichert und langsam wieder abgegeben. Ziel ist es, die Kanalisation zu entlasten und Überflutungen zu vermeiden. Maßnahmen wie begrünte Dächer, Retentionsflächen, Versickerungsmulden und entsiegelte Flächen sind typische Elemente dieser Strategie. Sie verbessern nicht nur die Wasserbewirtschaftung, sondern auch das Mikroklima bei Hitze und somit die Aufenthaltsqualität im urbanen Raum.

Solche Maßnahmen, die natürliche Prozesse nutzen, um Starkregengefahren abzumildern, werden auch als naturbasierte Lösungen bezeichnet. Sie bieten zugleich ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Vorteile und adressieren gleichzeitig mehrere Herausforderungen.

Die Anpassung an die zunehmenden Starkregenereignisse stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Den Kommunen fehlen oft die finanziellen Mittel und die personellen Kapazitäten, um die Starkregenresilienz voranzutreiben. Ein wichtiger Anhaltspunkt für die kontinuierliche Umsetzung von Maßnahmen ist ein Konzept in dem die Maßnahmen abgestimmt aufgeführt sind. Auch wenn nicht alles sofort umgesetzt werden kann, schafft es Ordnung im Vorgehen. Gefährdungsschwerpunkte lassen sich so identifizieren und gezielt angehen. Zudem können Maßnahmen eingeplant werden, wenn Flächen ohnehin verändert werden oder neue Fördermöglichkeiten kurzfristig Chancen eröffnen. Solche Gelegenheiten ergeben sich zum Beispiel, wenn kommunale Infrastrukturen wie Kitas saniert werden oder Straßen erneuert werden müssen.

Von der Planung zur Umsetzung

Resilienz beginnt in der Planung. Bereits bei der Aufstellung von Bebauungsplänen sollten Fachexpert:innen für Regenwasserbewirtschaftung eingebunden werden. So können Kontingente berechnet und Maßnahmen frühzeitig definiert werden. Dabei ist zu beachten:

Konzeption strukturiert die Vorsorge – Ein durchdachtes Konzept bildet die Basis, um die Resilienz gegen Starkregen systematisch zu stärken. Es legt gefährdete Orte und priorisierte Maßnahmen fest und gibt der Vorsorge gegen Starkregengefahren eine klare Struktur.

Erfolgreich nur im Team – Stadtplanung, Freiraumplanung, Umweltämter und Wasserwirtschaft müssen eng zusammenarbeiten – auch über Grundstücks- und Gemeindegrenzen hinweg. Nur so entstehen systemische Lösungen.

Kommunikation & Beratung – Ein wesentliches Element ist die gezielte Ansprache von Grundstückseigentümer:innen. Starkregengefahrenkarten können dabei helfen, Risiken zu verdeutlichen – auch wenn sie mit Widerständen verbunden sind, etwa durch potenzielle Wertverluste oder höhere Versicherungsprämien.

Aus der Praxis

Eine Karte des geplanten Parks
Eine Karte des neuen Spreeparks mit den vorgeschlagenen Nutzungen und den Klimaanpassungsmaßnahmen. Bild: º£½ÇÊÓÆµ

Spreepark, Berlin – Im Rahmen der Umgestaltung des Spreeparks wurde ein innovatives Regenwassermanagementsystem integriert. Die erste von drei geplanten Zisternen wurde bereits eingebaut – mit einem Fassungsvermögen von 150 m³. Sie sammelt das Regenwasser von den Dachflächen der Werkhalle und stellt es für die Parkbewässerung bereit. Die Zisterne wurde modular in der Baugrube zusammengesetzt, was eine flexible Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten ermöglichte. Dieses Projekt zeigt, wie technische Lösungen mit ökologischen und gestalterischen Anforderungen kombiniert werden können. Weitere Zisternen sind geplant, um das gesamte Gelände nachhaltig zu bewirtschaften.

Das 6.000m2 große Wasserbecken als Maßnahme dezentraler Regenwasserbewirtschaftung im Neubau-Quartier 52° Nord. Bild: BUWOG

52° Grad Nord, Berlin – Das Quartier „52° Nord“ in Berlin-Adlershof ist ein Vorzeigeprojekt für die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips. Im ersten Bauabschnitt wurde ein 6.000 m² großes Wasserbecken angelegt, das aus dem Niederschlagswasser der umliegenden Gebäude gespeist wird. Die Häuser verfügen über begrünte Dächer, die Wasser zurückhalten und verdunsten lassen. Zusätzlich wird das Regenwasser über Mulden und unterirdische Rigolen dem natürlichen Kreislauf zugeführt. Sandfänge reinigen das Wasser vor der Versickerung. Das Projekt erhielt die Auszeichnung „Regenial“ der Berliner Regenwasseragentur.

Ein zentrales Regenwasserbecken mit integrierter Freizeit- und Erholungsfläche dient als Retentionsraum und Brauchwasserspeicher. Bild: Ponnie Images

Neues Gartenfeld, Berlin – Das Projekt „Neues Gartenfeld“ verwandelt ein ehemaliges Industriegelände in ein nachhaltiges Stadtquartier. Auf 36 Hektar entsteht eine „Null-Abfluss-Siedlung“, bei der das gesamte Regenwasser vor Ort genutzt und gespeichert wird. Ein zentrales Regenwasserbecken dient als Retentionsraum und Freizeitfläche. Ergänzt wird das System durch Retentionsdächer, Reinigungsanlagen und ein intelligentes Speichermanagement. Ein eigenes Brauchwasserwerk versorgt das Quartier mit aufbereitetem Regenwasser. Die Planung berücksichtigt komplexe Herausforderungen wie belasteten Boden, hohen Grundwasserstand und Trinkwasserschutzzonen – ein Beispiel für ganzheitliche Infrastrukturplanung.

Key Learnings

Starke Regenfälle sind keine Seltenheit mehr – sie stellen eine wachsende Herausforderung für städtische Gebiete dar. Städte müssen proaktive Strategien verfolgen, um Risiken zu mindern und Gemeinden zu schützen. Die wichtigsten Erkenntnisse zeigen, dass Resilienz mit strukturierten Konzepten beginnt, die eine Priorisierung und klare Planung ermöglichen. Die frühzeitige Integration des Regenwassermanagements in die Stadtentwicklung ist unerlässlich, während naturbasierte Lösungen kostengünstige, multifunktionale Vorteile bieten. Die Kombination von zentralisierten und dezentralisierten Maßnahmen, die Förderung der sektorübergreifenden Zusammenarbeit und die Aufrechterhaltung einer transparenten Kommunikation mit den Interessengruppen gewährleisten systemische Lösungen, die sowohl die Klimaanpassung als auch die Lebensqualität in den Städten verbessern. Durch die Umsetzung dieser Grundsätze können Kommunen ihre Städte gegen die zunehmende Gefahr von Starkregenereignissen zukunftssicher machen.