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Event Recap: Wie können zukunftsfähige Gebäude zur neuen Norm werden?

Der dritte Lab Talk unserer Reihe „Futureproof. Engineering Resilient Cities“ im Aedes Architekturforum in Berlin widmete sich der Frage, wie Gebäude zukunftsfähig werden.

Während wir auf gelungene Beispiele für zukunftsfähige Gebäude blickten, stellten wir die Frage, was nötig ist, um diese Leuchtturmprojekte zur Norm zu machen. Denn diese Skalierung ist notwendig, um unsere Städte resilient zu gestalten. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Architektur diskutieren wir:

  • Was macht ein Gebäude zukunftsfähig?
  • Welche regulatorischen Rahmenbedingungen und politische Instrumente fördern eine breite Umsetzung?
  • Wenn wir wissen, wie ein zukunftsfähiges Gebäude aussehen muss – warum ist es nicht die neue Norm?

Obwohl die bauchtechnischen Lösungen zur Erreichung selbst ehrgeiziger Ziele für einen widerstandsfähigen Neubaubestand bekannt sind, werden nur langsam Fortschritte erzielt. Die Veranstaltung drehte sich um die dringende Notwendigkeit, den Wandel zu beschleunigen. Gemeinsam mit Akteuren aus der Planung, der Wirtschaft und einer Förderbank diskutierten wir, wie sich die Zusammenarbeit aller Akteure der Baubranche verbessern lässt, um ein Win-Win-Win-Szenario zu schaffen. Unsere Gäste waren: Noel Wibrand, Head of Sustainability und Partner bei Dorte Mandrup, Martin Löcker, Group Head of Development und Managing Partner bei CA Immobilien Anlagen AG (CA Immo), sowie Bettina Dorendorf, Senior Sustainability/Sustainable Finance Manager und Prokuristin bei der KfW.

Unsere Gäste bei Futureproof S. Von links, Peter Scheibstock, Noel Wibrand, Bettina Dorendorf, Martin Löcker and Sabine Müller. Bild: Erik-Jan Ouwerkerk.

Was macht ein Gebäude zukunftsfähig?

Die Erde stößt an ihre Grenzen. und sein Team haben das Konzept der planetaren Grenzen entwickelt. Es beschreibt, wie viel der Mensch der Erde zumuten kann, ohne ihre Stabilität zu gefährden. Neun dieser Grenzen gibt es – etwa Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, Landnutzungswandel und gestörte Stoffkreisläufe. Dieser jährliche „Gesundheitscheck“ unseres Planeten zeigt: Die Menschheit muss weniger konsumieren, um nachhaltiger zu leben. Trotzdem bremsen Rückschläge wie der Trend zu fossilen Energien, der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen oder das Omnibus-Paket der EU-Kommission, das die ESG-Berichtspflichten lockert, den Fortschritt. Doch der Klimawandel macht keine Pause. Und wir müssen weiter nach Lösungen suchen.

Wie werden zukunftsfähige Gebäude definiert?

Was macht ein zukunftsfähiges Gebäude aus? Einerseits müssen sie Anpassungsfähig sein: Eine flexible Gestaltung von Gebäuden ermöglicht zum Beispiel neue Technologien einzubauen, eine Umnutzung mitzudenken oder es an die Folgen der Klimakrise anzupassen. Andererseits müssen zukunftsfähige Gebäude möglichst CO2 arm gebaut und betrieben werden. Zirkuläre Ansätze tragen dazu bei, den Bedarf an neuen Materialien zu minimieren und die Verwendung nachhaltiger Materialen und Rohstoffen senkt den CO2-Ausstoß. Auch die Förderung der Artenvielfalt muss bei neuen Gebäuden mitgedacht werden.

Klimaanpassung und Zirkularität

Das Klima ändert sich und die Auswirkungen sind bereits spürbar: zunehmende Hitzephasen und Starkregenereignisse erfordern eine Anpassung der Gebäude. Ein Beispiel dafür: Die Floating University Berlin, ein innovatives Projekt auf einem Regenwasserrückhaltebecken am ehemaligen Flughafen Tempelhof, dient seit 2018 als Lernort für Naturkultur. Die vom Architekturkollektiv raumlabor entworfene und 2018 erstmals aus nachhaltigen und überwiegend recycelten Materialien errichtete Floating University Berlin entwickelt sich jedes Jahr weiter.

Auch inhaltlich widmet sich die Floating University den Anforderungen des Klimawandels: Forschende und Lehrende führen verschiedene Bildungsformate und transdisziplinäre Projekte durch, die die Resilienz von Städten gegenüber globalen Umweltveränderungen stärken.

Ein weiteres Beispiel für Klimaanpassung ist der Hitzeaktionsplan der Stadt Burscheid in Nordrhein-Westfalen, der gemeinsam mit Ƶ entwickelt wurde. Er analysiert die aktuellen klimatischen Bedingungen, prognostiziert künftige Hitzebelastungen und schlägt Maßnahmen zur Senkung der Hitzebelastung durch mehr Grünflächen, angepasste städtische Strukturen und verbesserte Wasserversorgung vor.

Neubauten müssen von Anfang an zirkulär geplant werden, wie das Projekt „Neue Mitte Tempelhof“ zeigt. Das Stadtquartier rund um das Rathaus Tempelhof in Berlin entsteht neu und soll ein nachhaltiges, zukunftsfähiges Stadtgebiet schaffen. Es ordnet öffentliche Einrichtungen neu, schafft Wohnraum und verbessert Grün- und Freiflächen. Ziel ist ein sozial und ökologisch ausgewogenes Quartier, das Klimaschutz und moderne Mobilität vereint. Auf Gebäudeebene heißt das: Bestehende Bauteile und Materialien weiterverwenden.

Nachwachsende Rohstoff und Artenvielfalt

Das Anna-Lindh-Haus, nach der schwedischen Europapolitikerin benannt, entsteht direkt am Europaplatz in Berlin. Das Beispiel zeigt, wie mit nachhaltigen Materialien gebaut werden kann. Die Holzhybridbauweise und CO2-reduzierter Beton senken die Emissionen beim Bau um etwa 30 Prozent gegenüber herkömmlichen Gebäuden. Im Betrieb ist das Haus CO2-neutral. Um die gesetzten CO2- und Energieziele sicherzustellen, wurde Ƶ wurde als „Environmental Guardian“ beauftragt. Dazu definierte das Team zunächst die Treibhausgasemissionsziele für den Betrieb und die Konstruktion des Gebäudes. Anschließend übernahm es die disziplinübergreifende Koordination der wissenschaftlich fundierten Emissionsziele, um ihre Umsetzung in allen Projektphasen mit dem Bauherrn und beteiligten Fachplanern sicherzustellen.

Auch die Förderung der Artenvielfalt ist entscheidend, wie das Projekt „Brainery“ zeigt. Der Brainergy Hub bildet das Herzstück des Brainergy Parks in Jülich, einem Innovationspark für Unternehmen und Start-ups aus den Bereichen nachhaltige Energieforschung, Bioökonomie und Digitalisierung. Durch das zurückgesetzte Erdgeschoss entsteht eine Nord-Süd-Achse, die das Hub-Gebäude mit den Außenbereichen und bestehenden Grünräumen verbindet, darunter ein Artenschutzgebiet im Norden und eine Obstwiese im Süden. Ein kleiner See soll als Wärme- bzw. Kältespeicher in das Energieversorgungssystem integriert und für die Ableitung von Regenwasser genutzt werden. Der Brainergy Hub arbeitet energieeffizient, erzeugt einen Großteil seines Stroms selbst durch Photovoltaik auf Dach und Fassade und speist Überschüsse ins Netz ein. Die hybride Struktur aus Holz und Stahlbeton macht den Hub zum sozialen Wissenszentrum des Parks und zum Symbol für den Wandel zu erneuerbaren Energien.

Welche regulatorischen Rahmenbedingungen und politische Instrumente fördern eine breite Umsetzung?

Regulatorische Rahmenbedingungen und politische Instrumente können nachhaltiges Bauen und zukunftsfähige Gebäude fördern. Finanzielle Anreize spielen dabei eine zentrale Rolle, um Bauherren – sowohl privat als auch kommerziell – zu motivieren, Nachhaltigkeit in ihre Projekte zu integrieren. Regierungen können solche Anreize durch verschiedene Maßnahmen unterstützen, wie das Beispiel der öffentlichen Förderbank KfW zeigt.

Instanzen wie die KfW wurden 2019 von der Bundesregierung beauftragt, nachhaltige Gebäude zu fördern. Ein zentrales Instrument dabei ist das „Effizienzhaus“. Es legt für Wohngebäude zwei Hauptkriterien fest – den Gesamtenergiebedarf und die Wärmedämmung der Gebäudehülle. Die Effizienzhaus-Stufen, etwa 40 oder 55, zeigen, wie energieeffizient ein Gebäude im Vergleich zum Referenzhaus ist. Je niedriger die Zahl, desto geringer der Energiebedarf. Ein Effizienzhaus 55 verbraucht nur 55 Prozent der Primärenergie eines Standardgebäudes. Die KfW unterstützt Bau und Sanierung solcher Häuser mit Krediten, die je nach Effizienz nur teilweise zurückgezahlt werden müssen – ein starker finanzieller Anreiz.

Die europäische Taxonomie-Verordnung definiert, was nachhaltiges Handeln bedeutet, indem es ein einheitliches System von Kriterien festlegt, anhand dessen sich bestimmen lässt, ob eine wirtschaftliche Tätigkeit als ökologisch nachhaltig einzustufen ist. Damit schafft es eine gemeinsame Sprache für nachhaltige wirtschaftliche Tätigkeiten. Unternehmen müssen im Rahmen von Berichtspflichten, wie zum Beispiel von CSRD offenlegen, wie weit ihre Aktivitäten diesen Vorgaben entsprechen. Das erhöht Transparenz und Vergleichbarkeit.

Zusätzlich gibt es weitere politische Instrumente wie gesetzliche Vorgaben, Förderprogramme und steuerliche Anreize, die nachhaltiges Bauen fördern. Die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie Deutschlands setzt ambitionierte Ziele für einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2045. Globale Standards und Initiativen wie die OECD-Leitlinien für nachhaltige Infrastruktur und die G20-Partnerschaft für hochwertige Infrastrukturinvestitionen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Technische Regelwerke und Zertifizierungssysteme wie das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) und das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) bieten klare Kriterien und Verfahren zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Bauprojekten.

Warum sind zukunftsfähige Gebäude noch nicht die neue Norm?

Obwohl wir wissen, wie ein zukunftsfähiges Gebäude aussehen muss, ist nachhaltiges Bauen noch nicht die Norm. Nachhaltiges Bauen ist langfristig wirtschaftlich sinnvoll, aber es gibt zahlreiche Hindernisse, die seine breite Umsetzung verhindern.

Gründe sind Beharrung auf alten Mustern, komplizierte Regeln und gesellschaftliche Hürden. Viele Lösungen existieren, bleiben aber ungenutzt.

Die Vielzahl an Vorschriften, wie etwa die Offenlegungspflichten, haben einerseits das Kapital in die richtige Richtung gelenkt und andererseits die Umsetzung erschwert. Dieser bürokratische Aufwand hat jedoch zu einer Überlastung durch die Menge an erforderlichen Berichten geführt, was die Umsetzung erschwert und teilweise zu einem Rückgang nachhaltigen Handelns geführt hat. Die Omnibus-Verordnung will diese Pflichten vereinfachen und den Aufwand senken, indem sie die Schwellen für die CSRD und die EU-Taxonomie anpasst.

Fehlende Baustoffe, Finanzierung und Fachkräfte behindern die Umsetzung. Damit nachhaltiges Bauen zur Regel wird, braucht es klare, verlässliche und verständliche Regeln. Die Sanierung bestehender Gebäude sollte Vorrang haben. Zusammenarbeit und ständige Verbesserung sind nötig, damit Gebäude für alle funktionieren. Nur gemeinsames Handeln und Wissensaustausch führen zur erfolgreichen Transformation. Initiativen wie die , an der auch die KfW beteiligt ist, spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie bringt europäische Akteure zusammen und investiert in zirkuläre Projekte.

Fazit

Nachhaltiges Bauen wird nur zur Norm, wenn die Regeln stabil, klar, verlässlich und verständlich sind. Der Umbau bestehender Gebäude muss Vorrang haben. Damit Gebäude für alle funktionieren, braucht es Zusammenarbeit und Verbesserungen. Den Kohlenstoffgehalt gilt es frühzeitig zu prüfen. Nur gemeinsames Handeln und Wissensaustausch treiben die Transformation zu zukunftsfähigen Gebäuden voran. Initiativen wie die Circular Economy spielen dabei eine entscheidende Rolle.

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