
Mobilitätsstrategie City West 2040
Berlin, Deutschland
Projektdetails
Auftraggeber
WerkStadtForum
Zeitraum
2019-2021
Dienstleistungen von Ƶ
Angesichts des Klimawandels überlegen Gemeinden auf der ganzen Welt sorgfältig, wie sie ihr gesellschaftliches Leben nachhaltiger gestalten können. Ein wichtiger Teil dieser Debatte ist die Zukunft des Verkehrs und der Mobilität – vor allem für Städte.
Für das City West Projekt kam ein breites Spektrum von Interessenvertretern zusammen, die sich mit der Frage befassten, wie die Zukunft der Mobilität auf möglichst nachhaltige, sichere und gerechte Weise gestaltet werden soll. Das Ergebnis war die Charta City West 2040 – ein Leitbild mit konkreten Handlungskonzepten für die Verbesserung der städtischen Landschaft.
Die City West liegt im Herzen Berlins im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Sie hat eine besondere Anziehungskraft auf Berliner und Berliner:innen und vor allem auf Touristen aus aller Welt. Zur City West gehören historische Denkmäler wie die Kaiser-Willhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz, Einkaufs- und Flaniermeilen wie der Kursfürstendamm oder die Tauentzienstraße aber auch einer der größten Verkehrsknotenpunkte Berlins, der Bahnhof Zoologischer Garten. Hier verbinden sich lokale Kultur und Internationalität ebenso wie Geschichte und Aktualität.
Ƶ wurde beauftragt, eine Strategie zu entwickeln, die darauf abzielt, den Autoverkehr in der City West bis 2040 deutlich zu reduzieren, die Mobilität zu vernetzen und emissionsfrei, vielfältig, nachhaltig und flexibel zu gestalten. Konkret bildet ein öffentlicher Nahverkehr neuer Qualität das Rückgrat des Verkehrs und verbindet die City West mit der umliegenden Stadt. Private Fahrzeuge sind kaum noch nötig und werden durch CO2-frei betriebene und autonom fahrende Schwarmfahrzeuge ersetzt.
Die Herausforderung
Die westliche Innenstadt Berlins im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf soll bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden, zehn Jahre bevor dies das Ziel für die gesamte deutsche Hauptstadt ist. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Arbeitsgemeinschaft WerkStadtForum von fünf Initiatoren gegründet. Dazu gehören der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der Deutsche Werkbund Berlin e.V., die IHK Berlin, AG City e.V. und der VBKI Berlin. In einer Workshopreihe wurden Konzepte für eine zukunftsfähige “City West” erarbeitet. Die Initiative engagiert sich dafür, die Aufenthaltsqualität im Quartier nachhaltig zu optimieren und wirtschaftlich tragfähig zu machen, sowie den stationären Handel zu stärken und das Gefüge des Bezirks lebendig zu erhalten. Zentrale Themen sind dabei Digitalisierung, Smart City, bauliche Verdichtung, Handel der Zukunft und neue ökologische Verkehrskonzepte.
Buro Ƶ wurde vom WerkStadtForum mit der Entwicklung einer Mobilitätsstrategie für dieses Projekt beauftragt, basierend auf den Grundlagen und Inhalten, die von allen Beteiligten erarbeitet wurden. Die City West ist heute bereits stark verdichtet. Die vorhandenen öffentlichen Flächen sind vollständig als Grün- oder Verkehrsflächen in Anspruch genommen. Im Fokus standen die Mobilitätsinfrastrukturen, die angesichts des Wachstums und der Nachverdichtungen in der Berliner Innenstadt vor großen Herausforderungen stehen. Entsprechend galt es, eine Strategie zu entwerfen, die attraktive Mobilitätsangebote fördert und den öffentlichen Raum aufwertet. Die City West mit ihrer kompakten und durchmischten Stadtstruktur bietet bestmögliche Ausgangsbedingungen im Sinne einer Stadt der kurzen Wege mit vielfältigen Mobilitätsangeboten.
Unser Team entwickelte eine Reihe von Maßnahmen, um die spezifischen Herausforderungen in der City West zu bewältigen. Inspiriert wurde es durch verkehrstechnische und städtebauliche Innovationen, die für Städte wie Kopenhagen, Paris und Barcelona entwickelt wurden.

Die Lösung
Die Strategie unserer Mobilitätsexpert:innen umfasst Maßnahmen, die die City West zu einem Stadtteil machen, in dem Mobilität vernetzt, emissionsfrei, vielfältig, nachhaltig und mit flexiblen Lösungen rund um die Uhr verfügbar ist. Ein deutlich ausgebauter und aufgewerteter öffentlicher Personennahverkehr bildet das Rückgrat der Mobilität und verbindet die City West mit der umliegenden Stadt. Private Fahrzeuge sind kaum noch nötig und werden durch C02-frei betriebene und autonom fahrende Schwarmfahrzeuge ersetzt. Durch den radikal abnehmenden KFZ-Verkehr werden Verkehrsflächen frei, die konsequent dem Rad- und Fußverkehr zurückgegeben werden. Waren- und Lieferverkehre werden über dezentrale Logistikhubs abgewickelt und nachhaltig ausgeliefert. Alle neuen Bauprojekte mit einer Fläche von 5.000 m2 oder mehr verfügen über Drohnenlandeplätze. Das gesamte Mobilitätssystem ist digital unterstützt und kann über mobile Geräte aufgerufen und gesteuert werden.
Insgesamt soll ein verbessertes Mobilitätsmanagement dazu führen, die Straßen und öffentliche Räume für die Menschen multifunktional nutzbar zu machen. Vor diesem Hintergrund kam dem Themenkomplex Flächenkonkurrenz im öffentlichen Raum und Parken eine besondere Bedeutung zu. Buro Ƶ entwickelte Handlungsansätze für eine bezirksweite, strategisch orientierte Weiterentwicklung des Parkraummanagements, wie z.B. freie Kapazitäten in privaten Parkgaragen, die besser ausgenutzt werden und straßenbegleitendes Parken substituieren sollen.
Im Jahr 2040 wird es in der City West zahlreiche autofreie Bereiche geben, vor allem in den Seitenstraßen. Dadurch werden die Hauptverkehrsstraßen wie Kurfürstendamm, Tauentzienstraße, Kaiserdamm und Kantstraße weniger durch den motorisierten Individualverkehr belastet, da die Zufahrt zur City West durch eine dynamische City-Maut geregelt ist. Infolgedessen sinkt das durchschnittliche tägliche Verkehrsaufkommen um 40 % im Vergleich zum derzeitigen Kraftfahrzeugverkehr.
Unser Team führte zudem zwei Pilotprojekte durch, die sich auf die Verbesserung der heutigen Verkehrslage um den Hardenbergplatz und Breitscheidplatz – belebte Gebiete in der Nähe des Bahnhofs Zoologischer Garten – konzentrierten. Das erste Pilotprojekt untersuchte das Potenzial der Reduzierung von öffentlichen Stellplätzen im Straßenraum und der Substitution durch die Nutzung bestehender Parkhäuser. Das zweite Pilotprojekt befasste sich mit dem Verkehrsfluss in der Budapester Straße. Durch das Reduzieren der Fahrbahnbreite und Herausnehmen ortsfremder Verkehre bietet sich die Möglichkeit, mehr Raum für die aktive Mobilität und andere Nutzungen (z. B. Aufenthalt) bereitzustellen.

Der Mehrwert
Die Konzepte und Maßnahmenempfehlungen wurden in einem breiten Forum mit Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung und einem weiten Expert:innenkreis regelmäßig diskutiert und weiterentwickelt. In einen zweiten Schritt erfolgt die Einbindung der Öffentlichkeit, um das entwickelte Leitbild weiter zu qualifizieren und zu verankern. Beide Pilotprojekte wurden von der Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner positiv aufgenommen und waren ein deutlicher Hinweis darauf, in welche Richtung, die in der Mobilitätsstrategie skizzierten, Maßnahmen gehen müssen.
Auf dem Weg zur klimaneutralen City West im Jahre 2040, kann die vorgeschlagene Mobilitätsstrategie einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduktion im Verkehr leisten. Darüber hinaus ist sie ein wichtiger Bestandteil, um insgesamt die Aufenthaltsqualität des Quartiers zu verbessern.











