{"id":229847,"date":"2023-03-22T16:07:53","date_gmt":"2023-03-22T16:07:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burohappold.com\/unkategorisiert\/volksentscheid-2030-wie-kann-berlin-klimaneutral-werden\/"},"modified":"2026-03-26T13:33:58","modified_gmt":"2026-03-26T13:33:58","slug":"volksentscheid-2030-wie-kann-berlin-klimaneutral-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burohappold.com\/de\/news\/volksentscheid-2030-wie-kann-berlin-klimaneutral-werden\/","title":{"rendered":"Volksentscheid 2030: Wie kann Berlin klimaneutral werden?"},"content":{"rendered":"\n
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Am 26. M\u00e4rz 2023 gehen Berlinerinnen und Berliner zu den Urnen und stimmen im Volksentscheid \u00fcber ein klimaneutrales Berlin bis 2030 ab. Ziel ist es, eine \u00c4nderung des Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetzes zu erwirken. Dieses Gesetz sieht vor, dass Berlin bis zum Jahr 2045 klimaneutral wird. Die B\u00fcrgerinitiative \u201eKlimaneustart Berlin\u201c m\u00f6chte dieses Ziel auf 2030 nach vorn verlegen. Philipp Kassing, Energy Consultant in unserem Berliner B\u00fcro, erl\u00e4utert, was zur Erreichung dieses Ziels n\u00f6tig w\u00e4re. <\/h3>\n\n\n\n
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Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass die Risiken des Klimawandels nicht in der Zukunft liegen. Sie sind schon l\u00e4ngst in unseren \u00d6kosystemen, St\u00e4dten und Kiezen angekommen. Sie machen sich in Form von D\u00fcrresommern mit Waldbr\u00e4nden und Starkregenereignissen mit \u00dcberschwemmungen bemerkbar. Mehr noch, es besteht nicht nur die Gefahr der graduellen Ver\u00e4nderung unseres Klimas. Wie Johan Rockstr\u00f6m, Direktor des Potsdam-Instituts f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK) und Professor f\u00fcr Erdsystemwissenschaften an der Universit\u00e4t Potsdam in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erkl\u00e4rte, zeigen bereits neun der 16 m\u00f6glichen Kipp-Punkte des Weltklimas<\/a> Zeichen von Instabilit\u00e4t. Bei einem Umkippen dieser Systeme, wie etwa des gr\u00f6nl\u00e4ndischen Eisschildes, w\u00fcrden diese ihre Funktion \u00e4ndern: W\u00e4hrend sie bisher das Klima stabilisieren, w\u00fcrden sie dann zu einer noch schnelleren Erhitzung des Weltklimas beitragen. Die Umweltauswirkungen des Klimawandels, die wir bereits heute zu sp\u00fcren bekommen, w\u00fcrden um ein Vielfaches st\u00e4rker. Wie nah wir der unumkehrbaren Erhitzung unseres Klimas auf bis zu 4\u00b0C sind, ist unklar. Klar ist jedoch, dass wir handeln m\u00fcssen. <\/p>\n\n\n\n

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Diese Weltkarte zeigt die geografische Lage von Klimakipppunkten und ihre gesch\u00e4tzten Temperaturschwellen. Bild: Biermann\/PIK, basierend auf Armstrong McKay et al, 2020 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n
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Ziel des Volksentscheids, f\u00fcr den die Initiatoren mehr als 260.000 Unterschriften gesammelt haben, ist eine rechtlich bindende und deutliche Versch\u00e4rfung der Klimaschutzambitionen der Stadt. <\/p>\n\n\n\n

海角视频 unterst\u00fctzt eine m\u00f6glichst schnelle Umstellung der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Quellen. Gelingt diese in Berlin, so kann dies als Vorbild f\u00fcr andere St\u00e4dte dienen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch international k\u00f6nnten so die Klimaschutzambitionen von Metropolen gesteigert und Lerneffekte zu schnellerer Umsetzung der Transformationen genutzt werden. <\/p>\n\n\n\n

Doch die tiefgreifende und zeitlich ambitionierte Umstellung der Energieversorgung stellt St\u00e4dte wie Berlin vor hohe technische, b\u00fcrokratische und praktische Herausforderungen. Denn Klimaneutralit\u00e4t bedeutet eine komplette Umstellung aller energetischer Sektoren: Stromproduktion, Geb\u00e4ude, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft. <\/p>\n\n\n\n

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Strom<\/h4>\n\n\n\n
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Strom wird dabei der wichtigste Prim\u00e4renergietr\u00e4ger und versorgt neben Berliner Gewerbe und Verbraucher auch den st\u00e4dtischen Verkehr, Teile des Luftverkehrs, die Industrie und einen Gro\u00dfteil des W\u00e4rmebedarfs f\u00fcr Geb\u00e4ude. Die gesamte Strommenge muss dabei mit Windkraft, Photovoltaik und Bioenergie erzeugt werden. Zus\u00e4tzlich werden riesige Kapazit\u00e4ten an Wasserstoffspeichern, Batteriespeichern und Brennstoffzellen ben\u00f6tigt, um auch bei einer sogenannten kalten Dunkelflaute ausreichend Energie bereitstellen zu k\u00f6nnen. Bei der kalten Dunkelflaute steht ein aufgrund hohen Heizw\u00e4rmebedarfs hoher Strombedarf einer geringen Stromproduktion durch Wind und Photovoltaik gegen\u00fcber. Um die Speicher- und Umwandlungsverluste auszugleichen, muss zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4t an Stromerzeugern bereitgestellt werden. Eine vollkommen regenerative Stromerzeugung bedeutet aber auch einen Ausbau der Berliner Infrastruktur \u2013 neben elektrischen Netzen auch Wasserstoffleitungen. <\/p>\n\n\n\n

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Geb\u00e4ude<\/h4>\n\n\n\n
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Auch die energetische Versorgung von Geb\u00e4uden w\u00fcrde in Berlin im Jahr 2030 vollkommen anders aussehen. Die Fernw\u00e4rme w\u00fcrde gr\u00f6\u00dftenteils durch W\u00e4rmepumpen erzeugt, die W\u00e4rme aus industrieller Abw\u00e4rme und Abwasser, den Fl\u00fcssen der Stadt und der Geothermie nutzbar machen. Die Bereitstellung der W\u00e4rme f\u00fcr die Fernw\u00e4rmenetze mit Hilfe von W\u00e4rmepumpen w\u00fcrde eine Erweiterung der Fernw\u00e4rmeinfrastruktur erfordern. <\/p>\n\n\n\n

Die Geb\u00e4ude, die nicht ans Fernw\u00e4rmenetz angeschlossen werden k\u00f6nnen, w\u00fcrden ebenfalls gr\u00f6\u00dftenteils mit W\u00e4rmepumpen beheizt werden. Der Einsatz von W\u00e4rmepumpen zur individuellen Versorgung von Geb\u00e4uden setzt in vielen F\u00e4llen die energetische Sanierung der Au\u00dfenh\u00fclle und die Zentralisierung des Heizungssystems auf Geb\u00e4udeebene voraus. Ob bis 2030 genug Geb\u00e4ude energetisch saniert werden k\u00f6nnen, bleibt fraglich, der Einsatz von W\u00e4rmepumpen wird so erschwert. Alternative, jedoch deutlich ineffizientere Formen der Beheizung w\u00e4ren gr\u00fcner Strom, Bioenergie \u2013 etwa Biogas \u2013 oder perspektivisch Wasserstoff. <\/p>\n\n\n\n

Bei der angestrebten Transformation der st\u00e4dtischen W\u00e4rmeversorgung m\u00fcssten einige b\u00fcrokratische H\u00fcrden genommen werden. In Anbetracht der Dringlichkeit, m\u00fcsste hier so schnell wie m\u00f6glich ein Dialog zwischen Wissenschaft, Unternehmen und Beh\u00f6rden angestrebt werden. <\/p>\n\n\n\n

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Verkehr<\/h4>\n\n\n\n
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Auch der Individualverkehr m\u00fcsste sich stark ver\u00e4ndern. Innerhalb des Berliner Rings f\u00fchren erstens deutlich weniger Autos und zweitens ohne CO2<\/sub>-Aussto\u00df. Anstelle des regen Autoverkehrs h\u00e4tten Fu\u00dfwege, Fahrradstra\u00dfen und Busspuren Vorrang. Der G\u00fcterverkehr w\u00fcrde so weit wie m\u00f6glich auf Schiene und Wasser verlegt werden. Die Belieferung von Superm\u00e4rkten im Innenstadtbereich aber erfordert den Einsatz von Lastkraftfahrzeugen, wozu die Weiterentwicklung von Brennstoffzellen-LKWs bis zur Serienreife erforderlich w\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n

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Der Rosenthaler Platz ist einer von Berlins vielen verkehrsreichen Pl\u00e4tzen. Ist der Volksentscheid erfolgreich, h\u00e4tten hier Fu\u00dfg\u00e4nger, Fahrr\u00e4der, Stra\u00dfenbahnen und E-Fahrzeuge Vorrang. Bild: Gilly \/ Unsplash <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n
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Fachkr\u00e4fte<\/h4>\n\n\n\n
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Die Umstellung der Energieerzeugung erfordert die Errichtung zahlreicher neuer Infrastrukturen \u2013 von Windparks und Photovoltaikanlagen \u00fcber die energetische Sanierung von Geb\u00e4uden, den Umbau der Fernw\u00e4rme bis hin zu neuen Radwegen, Lades\u00e4ulen und elektrochemischen Anlagen zur Herstellung von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff. Diese Infrastruktur muss erst gebaut werden. Die Frage ist nur: durch wen? <\/p>\n\n\n\n

Schon heute gibt es einen enormen Fachkr\u00e4ftemangel, vor allem im Handwerk, der f\u00fcr die ambitionierte Transformation Berlins ein wesentliches Problem bei der Umstellung darstellt. Doch das Problem liegt nicht nur darin, es fehlt auch an Know-how. Denn ein erneuerbares Energiesystem ist deutlich komplexer als ein fossiles. Die Energieerzeugung verschiebt sich von wenigen zentralen zu vielen dezentralen, vernetzten Anlagen und es braucht Technik, um die zeitliche Fluktuation der Energieerzeugung auszugleichen. <\/p>\n\n\n\n

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Gemeinsame Verantwortung<\/h4>\n\n\n\n
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Der Weg zur Klimaneutralit\u00e4t w\u00fcrde Berlin und unsere Lebensweise grundlegend ver\u00e4ndern. Das Referendum am 26. M\u00e4rz stellt jedoch keinen magischen Knopf dar, der gedr\u00fcckt wird, um dies zu erreichen. Wir alle m\u00fcssen weiterhin den Handlungsdruck aufrechterhalten und an dieser Gemeinschaftsaufgabe mitwirken. Die angestrebte ganzheitliche Umstellung der urbanen Infrastrukturen hin zu einem hochgradig vernetzten und integrierten System ist eine gewaltige Aufgabe, die eine enorme Planungs- und Koordinationsleistung voraussetzt. Zeitlich m\u00fcssen der Um- und Ausbau der Kapazit\u00e4t der Stromerzeuger, der W\u00e4rmeversorgung, der Mobilit\u00e4t und der Versorgung der Industrie richtig koordiniert sein. Daher kann diese Transformation nur gemeinsam gelingen, in einem, gut geplanten und koordinierten Transformationsprozess, der alle Akteure mit einbezieht \u2013 die Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. <\/p>\n\n\n\n

Die Aufgabe ist gewaltig, doch wir w\u00fcrden viel gewinnen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

Written by<\/h5>
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Philipp Kassing<\/h4>\n <\/a><\/article>\n\n<\/div>\n\n
Date published<\/h5>

22\/03\/23<\/p><\/div>\n\n

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