{"id":223690,"date":"2022-11-09T16:10:59","date_gmt":"2022-11-09T16:10:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.burohappold.com\/unkategorisiert\/besser-bauen-sieben-punkte-fuer-klimagerechtes-bauen-die-jeder-beachten-sollte\/"},"modified":"2026-03-26T13:33:57","modified_gmt":"2026-03-26T13:33:57","slug":"besser-bauen-sieben-punkte-fuer-klimagerechtes-bauen-die-jeder-beachten-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.burohappold.com\/de\/news\/besser-bauen-sieben-punkte-fuer-klimagerechtes-bauen-die-jeder-beachten-sollte\/","title":{"rendered":"Besser bauen! 7 Punkte f\u00fcr klimagerechtes Bauen, die jeder beachten sollte"},"content":{"rendered":"\n
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Wir haben das alles schon einmal geh\u00f6rt. <\/h3>\n\n\n\n
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Hitzewellen, D\u00fcrreperioden, Starkregen, heftige Winde und St\u00fcrme, die die Infrastrukturen der St\u00e4dte lahmlegen – F\u00e4lle von Extremwetter h\u00e4ufen sich, was vor allem Bewohnerinnen und Bewohner unserer St\u00e4dte\u00a0zu sp\u00fcren bekommen. <\/p>\n\n\n\n

Im Sommer wird es unertr\u00e4glich hei\u00df, wie im Jahr 2022 in ganz Europa. \u00dcberschwemmungen legen den Stra\u00dfenverkehr gro\u00dffl\u00e4chig lahm, wie zum Beispiel in Berlin,\u00a0wenn die Kanalisation das zus\u00e4tzliche Wasser nicht fassen kann und \u00fcberl\u00e4uft. Z\u00fcge des \u00f6ffentlichen Personennahverkehrs, sowie des Fernverkehrs fallen wegen St\u00fcrmen aus, und an manchen Stra\u00dfenecken ist es so windig, dass man nicht gehen oder gar stehen kann. Viele dieser Auswirkungen werden durch die bebaute Umwelt noch verst\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n

In ihrem k\u00fcrzlich erschienenen Buch \u201eKlima au\u00dfer Kontrolle\u201c schildern die Autorinnen\u00a0Susanne G\u00f6tze und Annika Joeres, wie schlecht die deutschen Gemeinden, St\u00e4dte und L\u00e4nder auf diese neue Klimarealit\u00e4t vorbereitet sind.\u00a0Als Reaktion auf die verehrende Flutkatastrophe im Artal im Sommer 2021 hat das deutsche Umweltministerium das\u00a0Sofortprogramm Klimaanpassung<\/a> auf die Beine gestellt, das bis 2026 mit 60 Millionen Euro Unterst\u00fctzung den Kommunen helfen soll, sich besser f\u00fcr Extremwetter oder Hitzeperioden\u00a0zu wappnen. Im Vergleich zu den Milliardenbetr\u00e4gen, die f\u00fcr die Reparatur von Sch\u00e4den nach klimabedingten Katastrophen ausgegeben werden, ist dieser Betrag jedoch verschwindend gering. <\/p>\n\n\n\n

Wenn wir die Ursachen dieser Extremwetterereignisse kennen, warum lernen wir nicht daraus? Warum planen und bauen wir immer noch nicht mit Blick auf das sich wandelnde Klima? Dabei erfordert klimagerechtes Bauen kein gro\u00dfes Umdenken.\u00a0<\/p>\n\n\n\n

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Die folgenden sieben Punkte f\u00fcr klimagerechtes Bauen von entscheidender Bedeutung.<\/h4>\n\n\n\n
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1) Gro\u00dfz\u00fcgige Bepflanzung<\/h4>\n\n\n\n
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Jeder wei\u00df, wie wichtig Pflanzen sind. Sie senken die Umgebungstemperatur, sorgen f\u00fcr ein angenehmes Mikroklima, sind wichtige Biotope, halten Wasser zur\u00fcck, binden CO2 und vieles mehr. <\/p>\n\n\n\n

Jedes architektonische Rendering sieht heute gro\u00dfe gr\u00fcne Komponenten vor, aber die Realit\u00e4t sieht meistens anders aus. In der Praxis ist die Bepflanzung oft nur oberfl\u00e4chlich, obwohl die Gestaltung mit Pflanzen viel Flexibilit\u00e4t bietet. B\u00e4ume spenden Schatten, begr\u00fcnte Fassaden und Fenster\u00f6ffnungen senken die Temperaturen, und begr\u00fcnte D\u00e4cher sind eine gute Option f\u00fcr weitreichende\u00a0Bepflanzungen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n

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2) Reduzierung der Versiegelung<\/h4>\n\n\n\n
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Eine k\u00fcnstlerische Darstellung, wie der Spreepark Berlin nach seiner Er\u00f6ffnung ausssehen wird. Bild: ARGE Spreepark Freianlagen c\/o die_grille<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n
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Die gro\u00dffl\u00e4chige Versiegelung von Fl\u00e4chen, in der Regel mit Asphalt, scheint immer noch das Mittel der Wahl f\u00fcr Planungsteams zu sein und ist in den Vorschriften verankert. Jeder, der in einer Stadt lebt, wei\u00df, wie unangenehm es ist, im Sommer \u00fcber ausgedehnte Asphaltfl\u00e4chen zu laufen.<\/p>\n\n\n\n

Versiegelte Fl\u00e4chen speichern die W\u00e4rme, strahlen in die Umgebung zur\u00fcck und bilden W\u00e4rmeinseln. Das Ergebnis sind\u00a0unertr\u00e4gliche, urbane Umgebungen. Wenn es regnet, kann das Wasser nicht absorbiert werden und l\u00e4uft stattdessen in die Kanalisation, die oft schon \u00fcberlastet ist. Manchmal sind die Baumroste nur mit sehr kleinen Abfl\u00fcssen ausgestattet. <\/p>\n\n\n\n

Als Abhilfe investieren Stadtverwaltungen in der Regel Geld in die technische Infrastruktur, um \u00dcberschwemmungen einzud\u00e4mmen. Anstatt im Nachhinein zu reagieren, sollten wir vorausschauend denken. Wir brauchen por\u00f6se Oberfl\u00e4chen, die W\u00e4rme und Licht reflektieren. Dieser Ansatz hat enorme Vorteile f\u00fcr das Mikroklima einer Stadt, wie das Nachhaltigkeitskonzept Spreepark<\/a> von 海角视频 aus dem Jahr 2021 zeigt.<\/p>\n\n\n\n

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3) Reflektionen vermeiden<\/h4>\n\n\n\n
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Viele Geb\u00e4ude haben riesige Spiegelfassaden, die das Sonnenlicht in die Umgebung reflektieren und diese aufheizen. Vor allem bei Hitzewellen verwandelt sich die unmittelbare Umgebung von Glas- und Stahlt\u00fcrmen in blendende, gl\u00fchende\u00a0Landschaften. Im Sommer 2013 wurden Teile eines geparkten Autos von der konkaven Glasfassade des Hochhauses 20 Fenchurch Street in London geschmolzen.\u00a0 <\/p>\n\n\n\n

Aber indem wir genaue \u202fMessung der Sonnenblendung<\/a>\u202fund Bewertungen des Blendungsrisikos von reflektierenden Oberfl\u00e4chen durchf\u00fchren, k\u00f6nnen\u00a0wir ihre negativen Auswirkungen bek\u00e4mpfen. F\u00fcr\u202f3 Glass Wharf,<\/a> ein B\u00fcrogeb\u00e4ude der britischen Finanzbeh\u00f6rde in Bristol, erstellten unsere Lichtplanerinnen und -planer\u00a0ein detailliertes Gutachten, das half die Blendung des Zugpersonals der angrenzenden Bahnlinie minimieren.\u00a0<\/p>\n\n\n\n

Massivfassaden und Fassadenelemente, die den Lichteinfall\u00a0reduzieren tragen dar\u00fcber hinaus zu einem angenehmen Klima bei, sowohl innen als auch au\u00dfen. Dies zeigt sich im Ansatz des Holz-Beton-Hybridgeb\u00e4ude EDGE Suedkreuz<\/a> in Berlin, das von Tchoban Voss Architekten entworfen und von 海角视频 in den Bereichen Tragwerksplanung, Haustechnik und Nachhaltigkeit realisiert wurde. Das B\u00fcrogeb\u00e4ude ist nur eine der vielen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, die sich durch unterschiedliche Baumaterialien ergeben.\u00a0<\/p>\n\n\n\n

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\"EDGE
EDGE Suedkreuz, die Deutschlandzentrale des Stromversorgers Vattenfall in Berlin. Bild: Ilya Ivanov\/ Tchoban Voss Architekten<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n
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Aber auch auf das innere Klima von Geb\u00e4ude wirken sich\u00a0gro\u00dfe Glasfassaden schlecht aus. Bodentiefe Fenster bringen viel Licht in das Geb\u00e4ude, was den Bedarf an energieintensiver K\u00fchlung erh\u00f6ht. Bei Projekten mit Glasfassaden hat 海角视频 nach L\u00f6sungen gesucht, um die negativen Auswirkungen dieses Gestaltungselements abzumildern.<\/p>\n\n\n\n

F\u00fcr das Hochhaus\u202fPNC Plaza<\/a>\u202fin Pittsburgh beispielsweise entwarf 海角视频 eine doppelschalige Glasfassade, die zwischen der \u00e4u\u00dferen und inneren Scheibe\u00a0einen 75 Zentimeter gro\u00dfen Hohlraum f\u00fcr passive K\u00fchlung und Isolierung hat. Jalousien zwischen den beiden Schichten reduzieren die Blendung und den W\u00e4rmegewinn, w\u00e4hrend die Sicht nach drau\u00dfen erhalten bleibt und Tageslicht in den Innenraum gelangt.\u00a0 <\/p>\n\n\n\n

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4) Intelligente Planung ist low tech<\/h4>\n\n\n\n
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Im Bereich der Energie abh\u00e4ngigen Geb\u00e4udetechnik wird viel geforscht. Geb\u00e4ude k\u00f6nnen v\u00f6llig unabh\u00e4ngig und ohne R\u00fccksicht auf das Au\u00dfenklima reguliert werden. Dies ist der grunds\u00e4tzlich falsche Ansatz. Um den Energieverbrauch zu senken, m\u00fcssen St\u00e4dte und Geb\u00e4ude in \u00dcbereinstimmung mit den lokalen klimatischen Bedingungen geplant werden.\u00a0 <\/p>\n\n\n\n

Dies er\u00f6ffnet ein gro\u00dfes Sortiment an Gestaltungselementen und Materialien, wie z. B. die Variation von Fassaden, H\u00f6fen, Vord\u00e4chern und Arkaden. Es gibt viele M\u00f6glichkeiten mit ein wenig intelligenter Planung und mit nur wenig oder ganz ohne Hightech-Infrastruktur Geb\u00e4ude zu schaffen, die \u00fcber ein angenehmen Innen- und Au\u00dfenklima verf\u00fcgen. Ein gro\u00dfer Teil dieser Arbeit besteht darin, die Strategien und Techniken fr\u00fcherer Generationen, der so genannten vernakul\u00e4ren Architektur, wieder zu entdecken und an das moderne Leben anzupassen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n

Technologischer Fortschritt hat uns mehr Wissen und Gestaltungsspielraum in Bezug auf die klimatischen Bedingungen beschert, aber die L\u00f6sungen liegen zun\u00e4chst in der intelligenten Gestaltung von St\u00e4dten und Geb\u00e4uden und dann in der gezielten und bedarfsgerechten Anwendung von Technologien. Wir brauchen Smart Data, nicht Big Data.<\/p>\n\n\n\n

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5) Den Wasserkreislauf respektieren<\/h4>\n\n\n\n
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F\u00fcr die Stadtentwicklung „Das neue Gartenfeld“ ist ein Wasserbecken Teil des Masterplans. Bild: Ponnie Images<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n
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Wasser ist eine der kostbarsten Ressourcen unsere Welt, aber es ist un\u00fcbersehbar, dass sie immer knapper wird. Deshalb ist es ungeheuer wichtig, dass die klimagerechte\u00a0Stadtplanung Niederschlag und Wasserverbrauch ber\u00fccksichtigt. St\u00e4rkere und weniger h\u00e4ufige Regenf\u00e4lle belasten das Abwassersystem und\u00a0Wasserreservoirs stark. <\/p>\n\n\n\n

St\u00e4dte brauchen Freir\u00e4ume und Versickerungsfl\u00e4chen f\u00fcr Niederschlagswasser. Das Wasser sollte nicht nur in den Stra\u00dfen zur\u00fcckgehalten, sondern auch an Fassaden und auf D\u00e4chern gesammelt werden. Dieses so genannte Grauwasser kann nutzbar gemacht werden, wodurch unsere S\u00fc\u00dfwasservorr\u00e4te entlastet werden. Die Stadtplanung nach dem Prinzip der Schwammstadt oder \u201cSponge City\u201d muss ernster genommen werden.\u00a0<\/p>\n\n\n\n

Neben der Schaffung einer angenehmen Umgebung f\u00fcr den Menschen ist Wasser nat\u00fcrlich auch f\u00fcr Flora und Fauna lebenswichtig. In Wien zum Beispiel hat die Stadtverwaltung Wasserspender installiert, die kleine Mengen Wasser in der Stadt verdunsten lassen und so f\u00fcr ein k\u00fchleres Mikroklima sorgen und die lokale Pflanzen- und Tierwelt unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n

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6) Wind<\/h4>\n\n\n\n
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Viele St\u00e4dte verf\u00fcgen \u00fcber lange, gerade Stra\u00dfen, die von hohen Geb\u00e4uden umgeben sind. Diese Kombination\u00a0erzeugt Windkan\u00e4le und scharfe Abwinde. Diese lassen sich leicht berechnen und bei der Planung vermeiden, aber sie treten trotzdem immer wieder auf. Einfache Windstudien, bauliche Ma\u00dfnahmen und sogar Bepflanzungen tragen dazu bei, die Windst\u00e4rke zu verringern und ein angenehmes Mikroklima zu schaffen. <\/p>\n\n\n\n

Gleichzeitig werden speziell konzipierte Korridore ben\u00f6tigt, um frische Luft in die Stadt zu transportieren und verschmutzte Luft abzuf\u00fchren. Im vergangenen Jahr entschied der Europ\u00e4ische Gerichtshof, dass viele deutsche St\u00e4dte \u2013 darunter Berlin, M\u00fcnchen, K\u00f6ln und Stuttgart \u2013 konsequent gegen die EU-Vorschriften zur Begrenzung der Luftverschmutzung versto\u00dfen. Eine intelligente Stadtplanung kann dazu beitragen, die Umweltverschmutzung zu verringern und die Frischluftzufuhr zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n

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7) Die Stadt muss helfen<\/h4>\n\n\n\n
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Die St\u00e4dte brauchen klare Ziele, aber auch zielgerichtete F\u00fchrung, um sie zu erreichen. Viele St\u00e4dte haben bereits den Klimanotstand ausgerufen, aber das reicht nicht aus. Es m\u00fcssen detaillierte Fahrpl\u00e4ne erstellt werden, die von allen Verantwortlichen der Stadtverwaltung befolgt werden. Nur so gelingt es, die gebaute Umwelt zu verbessern und im Vornherein besser zu bauen.<\/p>\n\n\n\n

All dies ist ohne die Unterst\u00fctzung unserer Stadtverwaltungen nicht m\u00f6glich. Die st\u00e4dtische Verwaltung muss klimabewusste Initiativen f\u00f6rdern und vorschreiben. Entwurfs- und Konstruktionsrichtlinien m\u00fcssen Architekten, Stadtplaner und Bauherren zu einer umweltfreundlichen Gestaltung ermutigen und d\u00fcrfen sie nicht behindern.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n

Written by<\/h5>
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Aron Bohmann<\/h4>\n <\/a><\/article>\n\n<\/div>\n\n
Date published<\/h5>

9\/11\/22<\/p><\/div>\n\n

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