Volksentscheid 2030: Wie kann Berlin klimaneutral werden?
Am 26. M盲rz 2023 gehen Berlinerinnen und Berliner zu den Urnen und stimmen im Volksentscheid 眉ber ein klimaneutrales Berlin bis 2030 ab. Ziel ist es, eine 脛nderung des Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetzes zu erwirken. Dieses Gesetz sieht vor, dass Berlin bis zum Jahr 2045 klimaneutral wird. Die B眉rgerinitiative 鈥濳limaneustart Berlin鈥 m枚chte dieses Ziel auf 2030 nach vorn verlegen. Philipp Kassing, Energy Consultant in unserem Berliner B眉ro, erl盲utert, was zur Erreichung dieses Ziels n枚tig w盲re.
Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass die Risiken des Klimawandels nicht in der Zukunft liegen. Sie sind schon l盲ngst in unseren 脰kosystemen, St盲dten und Kiezen angekommen. Sie machen sich in Form von D眉rresommern mit Waldbr盲nden und Starkregenereignissen mit 脺berschwemmungen bemerkbar. Mehr noch, es besteht nicht nur die Gefahr der graduellen Ver盲nderung unseres Klimas. Wie Johan Rockstr枚m, Direktor des Potsdam-Instituts f眉r Klimafolgenforschung (PIK) und Professor f眉r Erdsystemwissenschaften an der Universit盲t Potsdam in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erkl盲rte, zeigen bereits neun der 16 m枚glichen Zeichen von Instabilit盲t. Bei einem Umkippen dieser Systeme, wie etwa des gr枚nl盲ndischen Eisschildes, w眉rden diese ihre Funktion 盲ndern: W盲hrend sie bisher das Klima stabilisieren, w眉rden sie dann zu einer noch schnelleren Erhitzung des Weltklimas beitragen. Die Umweltauswirkungen des Klimawandels, die wir bereits heute zu sp眉ren bekommen, w眉rden um ein Vielfaches st盲rker. Wie nah wir der unumkehrbaren Erhitzung unseres Klimas auf bis zu 4掳C sind, ist unklar. Klar ist jedoch, dass wir handeln m眉ssen.

Ziel des Volksentscheids, f眉r den die Initiatoren mehr als 260.000 Unterschriften gesammelt haben, ist eine rechtlich bindende und deutliche Versch盲rfung der Klimaschutzambitionen der Stadt.
海角视频 unterst眉tzt eine m枚glichst schnelle Umstellung der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Quellen. Gelingt diese in Berlin, so kann dies als Vorbild f眉r andere St盲dte dienen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch international k枚nnten so die Klimaschutzambitionen von Metropolen gesteigert und Lerneffekte zu schnellerer Umsetzung der Transformationen genutzt werden.
Doch die tiefgreifende und zeitlich ambitionierte Umstellung der Energieversorgung stellt St盲dte wie Berlin vor hohe technische, b眉rokratische und praktische Herausforderungen. Denn Klimaneutralit盲t bedeutet eine komplette Umstellung aller energetischer Sektoren: Stromproduktion, 骋别产盲耻诲别, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft.
Strom
Strom wird dabei der wichtigste Prim盲renergietr盲ger und versorgt neben Berliner Gewerbe und Verbraucher auch den st盲dtischen Verkehr, Teile des Luftverkehrs, die Industrie und einen Gro脽teil des W盲rmebedarfs f眉r 骋别产盲耻诲别. Die gesamte Strommenge muss dabei mit Windkraft, Photovoltaik und Bioenergie erzeugt werden. Zus盲tzlich werden riesige Kapazit盲ten an Wasserstoffspeichern, Batteriespeichern und Brennstoffzellen ben枚tigt, um auch bei einer sogenannten kalten Dunkelflaute ausreichend Energie bereitstellen zu k枚nnen. Bei der kalten Dunkelflaute steht ein aufgrund hohen Heizw盲rmebedarfs hoher Strombedarf einer geringen Stromproduktion durch Wind und Photovoltaik gegen眉ber. Um die Speicher- und Umwandlungsverluste auszugleichen, muss zus盲tzliche Kapazit盲t an Stromerzeugern bereitgestellt werden. Eine vollkommen regenerative Stromerzeugung bedeutet aber auch einen Ausbau der Berliner Infrastruktur 鈥 neben elektrischen Netzen auch Wasserstoffleitungen.
骋别产盲耻诲别
Auch die energetische Versorgung von 骋别产盲耻诲别n w眉rde in Berlin im Jahr 2030 vollkommen anders aussehen. Die Fernw盲rme w眉rde gr枚脽tenteils durch W盲rmepumpen erzeugt, die W盲rme aus industrieller Abw盲rme und Abwasser, den Fl眉ssen der Stadt und der Geothermie nutzbar machen. Die Bereitstellung der W盲rme f眉r die Fernw盲rmenetze mit Hilfe von W盲rmepumpen w眉rde eine Erweiterung der Fernw盲rmeinfrastruktur erfordern.
Die 骋别产盲耻诲别, die nicht ans Fernw盲rmenetz angeschlossen werden k枚nnen, w眉rden ebenfalls gr枚脽tenteils mit W盲rmepumpen beheizt werden. Der Einsatz von W盲rmepumpen zur individuellen Versorgung von 骋别产盲耻诲别n setzt in vielen F盲llen die energetische Sanierung der Au脽enh眉lle und die Zentralisierung des Heizungssystems auf 骋别产盲耻诲别ebene voraus. Ob bis 2030 genug 骋别产盲耻诲别 energetisch saniert werden k枚nnen, bleibt fraglich, der Einsatz von W盲rmepumpen wird so erschwert. Alternative, jedoch deutlich ineffizientere Formen der Beheizung w盲ren gr眉ner Strom, Bioenergie 鈥 etwa Biogas 鈥 oder perspektivisch Wasserstoff.
Bei der angestrebten Transformation der st盲dtischen W盲rmeversorgung m眉ssten einige b眉rokratische H眉rden genommen werden. In Anbetracht der Dringlichkeit, m眉sste hier so schnell wie m枚glich ein Dialog zwischen Wissenschaft, Unternehmen und Beh枚rden angestrebt werden.
Verkehr
Auch der Individualverkehr m眉sste sich stark ver盲ndern. Innerhalb des Berliner Rings f眉hren erstens deutlich weniger Autos und zweitens ohne CO2-Aussto脽. Anstelle des regen Autoverkehrs h盲tten Fu脽wege, Fahrradstra脽en und Busspuren Vorrang. Der G眉terverkehr w眉rde so weit wie m枚glich auf Schiene und Wasser verlegt werden. Die Belieferung von Superm盲rkten im Innenstadtbereich aber erfordert den Einsatz von Lastkraftfahrzeugen, wozu die Weiterentwicklung von Brennstoffzellen-LKWs bis zur Serienreife erforderlich w盲re.

贵补肠丑办谤盲蹿迟别
Die Umstellung der Energieerzeugung erfordert die Errichtung zahlreicher neuer Infrastrukturen 鈥 von Windparks und Photovoltaikanlagen 眉ber die energetische Sanierung von 骋别产盲耻诲别n, den Umbau der Fernw盲rme bis hin zu neuen Radwegen, Lades盲ulen und elektrochemischen Anlagen zur Herstellung von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff. Diese Infrastruktur muss erst gebaut werden. Die Frage ist nur: durch wen?
Schon heute gibt es einen enormen 贵补肠丑办谤盲蹿迟别mangel, vor allem im Handwerk, der f眉r die ambitionierte Transformation Berlins ein wesentliches Problem bei der Umstellung darstellt. Doch das Problem liegt nicht nur darin, es fehlt auch an Know-how. Denn ein erneuerbares Energiesystem ist deutlich komplexer als ein fossiles. Die Energieerzeugung verschiebt sich von wenigen zentralen zu vielen dezentralen, vernetzten Anlagen und es braucht Technik, um die zeitliche Fluktuation der Energieerzeugung auszugleichen.
Gemeinsame Verantwortung
Der Weg zur Klimaneutralit盲t w眉rde Berlin und unsere Lebensweise grundlegend ver盲ndern. Das Referendum am 26. M盲rz stellt jedoch keinen magischen Knopf dar, der gedr眉ckt wird, um dies zu erreichen. Wir alle m眉ssen weiterhin den Handlungsdruck aufrechterhalten und an dieser Gemeinschaftsaufgabe mitwirken. Die angestrebte ganzheitliche Umstellung der urbanen Infrastrukturen hin zu einem hochgradig vernetzten und integrierten System ist eine gewaltige Aufgabe, die eine enorme Planungs- und Koordinationsleistung voraussetzt. Zeitlich m眉ssen der Um- und Ausbau der Kapazit盲t der Stromerzeuger, der W盲rmeversorgung, der Mobilit盲t und der Versorgung der Industrie richtig koordiniert sein. Daher kann diese Transformation nur gemeinsam gelingen, in einem, gut geplanten und koordinierten Transformationsprozess, der alle Akteure mit einbezieht 鈥 die Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und B眉rgerinnen und B眉rger.
Die Aufgabe ist gewaltig, doch wir w眉rden viel gewinnen.



