
Europäische Spallationsquelle (ESS): Targetrad-Dachkonstruktion
Lund, Schweden
Projektdetails
Auftraggeber
European Spallation Source
´¡°ù³¦³ó¾±³Ù±ð°ì³Ù³Ü°ù²úü°ù´Ç
Henning Larsen, COBE
Dienstleistungen von º£½ÇÊÓÆµ
Die Eröffnung der ESS läutet eine neue Ära der Teilchenforschung ein. Die Anlage umfasst hochmoderne Teilchenbeschleuniger und Spallationstechnologie, die Neutronenstrahlen 100-mal heller als die heute verfügbaren aussenden kann, was sie zur leistungsstärksten Spallationsquelle der Welt macht.
Eine Spallationsquelle ist ein großer Teilchenbeschleuniger, der geladene Teilchen, wie z.B. Protonen, beschleunigt und sie auf ein feststehendes Target schießt. Dabei werden Kernteilchen herausgeschlagen, unter anderem Neutronen, mit denen Forscher:innen ihre Forschungsproben bis ins kleinste Detail analysieren können. Dieser Prozess wird dazu benutzt, um die Forschung in verschiedenen Disziplinen, wie z.B. Energie, Physik, Technik, Chemie und Medizin voranzubringen.
Die Vision des Großprojekts in Lund ist es, ein bahnbrechendes Forschungsumfeld zwischen zwei großen Forschungseinrichtungen zu schaffen: der MAX IV-Synchrotronstrahlungsanlage und der ESS.
Die beiden Schlüsselelemente der ESS-Anlage sind der 600 Meter lange lineare Protonenbeschleuniger und ein vier Tonnen schweres Wolfram-Targetrad, die im Tandem arbeiten und Daten generieren, die verschiedene wissenschaftliche Teams für ihre Forschung nutzen können. º£½ÇÊÓÆµ wurde beauftragt, eine außerordentlich tragfähige und dennoch leichte, große Dachkonstruktion aus Stahlrahmen zu entwerfen, um das Targetrad und die dazugehörigen Versuchshallen vor extremen Winterwetterlagen und seismischen Aktivitäten zu schützen. Das außergewöhliche Dach stellt den Mittelpunkt und das ikonische Erkennungsmerkmal der ESS dar.
Die Herausforderung
Angesichts der potenziellen Risiken der Partikelforschung, ist es von größter Bedeutung sicherzustellen, dass das Stahldach so konstruiert ist, dass es extremer Witterung und sogar Erdbeben über einen Zeitraum standhält, der weit über die voraussichtliche Lebensdauer des Gebäudes hinausgeht. Außerdem muss die Dachkonstruktion den wechselnden Bedürfnissen der Forschungseinrichtung gewachsen sein.
Die schiere Größe und Belastung des Daches, das eine Grundfläche von 200×150 Metern hat, waren die erste Herausforderung für unser Konstruktionsteam. Die Auskragungen des Daches ragen bis zu 35 Metern über den Gebäudeumfang hinaus, was die Anfälligkeit für Witterungsbedingungen wie starken Wind und starken Schneefall erhöht.

Die Lösung
Um die Belastung durch schlechte Witterung zu reduzieren, entwickelte unser Team ein semiporöses Rippendach-Fassadensystem. Der zusätzliche Vorteil dieses Ansatzes erlaubte es uns, die Menge und damit die Kosten für den Stahlbau zu reduzieren. In enger Zusammenarbeit mit dem Architektenteam und den Fassadenspezialist:innen entwickelten wir ein Design für die Außenfassade des freitragenden Dachs mit Aluminiumlamellen. Wir verwendeten parametrische Werkzeuge, um die Form, Länge und Dicke der Lamellen zu optimieren. Die auf der Stahlrippenkonstruktion aufliegenden Lamellen sind so geformt, dass sie Wind durchlassen und Schneemengen zu Boden fallen können, ohne die Stabilität des freitragenden Dachs zu beeinträchtigen. In Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnerunternehmen wurden die Auswirkungen von Wind und Schnee durch maßstabsgetreue Testmodelle und computergestützte Analysen der Strömungsdynamik (CFD) überprüft. Um ein optimales technisches Design zu gewährleisten, entwickelte unser Team zusätzlich ein parametrisches Modellierungstool, das, mit dem BIM-Modell verbunden, die Anpassung der Höhen, Abstände und Neigungen der Stahlträger ermöglichte.

Der Bauprozess wurde bereits in der Anfangsphase des Projekts berücksichtigt, um dessen Effizienz zu steigern. Zu den Lösungen gehören die Standardisierung von Stahlbauelementen trotz der komplexen Geometrie des Daches sowie die Spezifikation vorgefertigter Dachpaneele, die eine schnelle und sichere Montage vor Ort ermöglichen. Unsere Erfahrung bei der Arbeit an komplexen Strukturen half uns, ein spezielles parametrisches Modellierungstool zu entwickeln, mit dem es uns gelang, die Anzahl der verschiedenen Typen von Fassadenplatten, die für das auskragende Dach benötigt wurden, deutlich zu verringern. Dies führte zugunsten der Nachhaltigkeit zu großen Effizienzen bei der Herstellung und Installation, denn mit diesem System konnte die Materialverschwendung deutlich reduziert werden.


Der Mehrwert
Nach 20 Jahren Planung durch insgesamt 17 Länder rund um den Globus ist die Europäische Spallationsquelle dazu bestimmt, unser Verständnis des Universums zu erweitern und Erkenntnisse zu liefern, die zuvor nicht möglich waren. Mit sorgfältiger Planung und technischer Innovation haben wir dazu beigetragen, dass das ESS-Dach die weltweit leistungsstärkste Neutronentestanlage vor extremen Wetter schützt und dabei flexibel genug für die zukünftigen Bedürfnisse der Teilchenforschung bleibt.





